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Welsh Pony and Cob Society
Germany
e.V.
Zuchtforum für Welsh Ponys und Cobs

Hartmut Schröder

Angst vor Schimmeln!?
- Farbvererbung bei Pferden -

Die Auswahl eines passenden Hengstes ist für die bevorstehende  Zuchtsaison entweder bereits getroffen oder steht unmittelbar bevor. Mit Spannung sehen wir alle der Geburt unserer Fohlen in diesem Jahr entgegen, und nicht wenige von uns Züchtern haben sich bei der Wahl des Paarungspartners für unsere Stuten auch von seiner Farbe beeinflussen lassen.

Und oftmals ist es die unbegründete Sorge, dass der Nachwuchs ein Schimmel werden könnte, die den Stutenbesitzer davon abhält, den „ansonsten sehr schönen Hengst“ zu benutzen. „In diesem Rapp- oder Fuchshengst sitzt mir zu viel Schimmel drin, das könnte bei dem Fohlen wieder durchschlagen!“, hört man immer wieder selbst von langjährigen Züchtern; und einen besseren Beweis für ihren Unverstand könnten sie kaum liefern!

Ein Fohlen kann nur dann ein Schimmel werden, wenn mindestens ein Elternteil selbst ein Schimmel ist! Oder umgekehrt: Aus der Verpaarung von zwei Nichtschimmeln kann niemals ein Schimmel fallen, ganz gleichgültig, wie viele Vorfahren der Elterntiere Schimmel sind oder waren!

Um diese Behauptungen verifizieren zu können, bedarf es gewisser Grundkenntnisse der Vererbungslehre. Ein wenig Licht in dieses weitverbreitete (farbige) Dunkel zu bringen, möchte ich mich mit den nachfolgenden Ausführungen bemühen:

Dazu muss man zunächst wissen, dass jedes Merkmal eines Lebewesens, und so natürlich auch das Merkmal der Farbe unserer Pferde oder Ponys, von zwei übereinstimmenden (homologen) Genen gekennzeichnet ist.

Diese beiden Gene können entweder gleich (homozygot) oder ungleich (heterozygot) sein.

Bei homozygoten Genen spricht man von Reinerbigkeit, bei heterozygoten von Gemischterbigkeit hinsichtlich des jeweiligen Merkmals.

Bei Pferden gibt es nur zwei Grundfarben, nämlich schwarz=Rappe und rot=Fuchs, wobei es wichtig zu wissen ist, dass der Rappfaktor gegenüber dem Fuchsfaktor dominant ist.

Daraus folgt:

Ein Rappe kann entweder reinerbig oder gemischterbig für die Farbe schwarz sein. Äußerlich sind beide Pferde schwarz, die unterschiedliche Farbanlage ist den jeweiligen Pferden nicht anzusehen.

Ein Fuchs ist immer reinerbig rot. Trüge das Pferd ein schwarzes Gen, wäre es nicht Fuchs sondern Rappe, weil der Fuchsfaktor gegenüber dem Rappfaktor rezessiv ist, also die Anlage für Rot äußerlich hinter der für Schwarz zurücktreten würde.

Bei der Paarung gibt es nun folgende Möglichkeiten, die sich mit so genannten „Punnet-Quadraten“, benannt nach dem britischen Biologen Punnet, anschaulich darstellen lassen. Dafür wurde folgende Legende gewählt:

= Hengst

= Stute

R = dominanter Rappfaktor

f = rezessiver Fuchsfaktor

 

A) Die Anpaarung zweier reinerbiger Rappen:

 

 

R

R

R

RR

 

R

 

 

 

 

R

R

R

 

RR

R

 

 

 

 

R

R

R

 

 

R

RR

 

 

 

R

R

R

 

 

R

 

RR

Sie ergibt zu 100 % reinerbige Rappen.

 

B) Die Anpaarung zweier Füchse:

 

 

f

f

f

ff

 

f

 

 

 

 

f

f

f

 

ff

f

 

 

 

 

f

f

f

 

 

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ff

 

 

 

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f

f

 

 

f

 

ff

Sie ergibt zu 100 % Füchse.

 

C) Die Anpaarung eines reinerbigen Rappen mit einem Fuchs:

 

 

R

R

f

Rf

 

f

 

 

 

 

R

R

f

 

Rf

f

 

 

 

 

R

R

f

 

 

f

Rf

 

 

 

R

R

f

 

 

f

 

Rf

 Sie gibt zu 100 % gemischterbige Rappen. Alle Nachkommen sind schwarz.

 

D) Die Anpaarung von zwei gemischterbigen Rappen:

 

 

R

f

R

RR

 

f

 

 

 

 

R

f

R

 

Rf

f

 

 

 

 

R

f

R

 

 

f

Rf

 

 

 

R

f

R

 

 

f

 

ff

Sie ergibt zu 25 % reinerbige Rappen, zu 50 % gemischterbige Rappen und zu 25 % Füchse.

 

E) Die Anpaarung eines gemischterbigen Rappens mit einem Fuchs:

 

 

R

f

f

Rf

 

f

 

 

 

 

R

f

f

 

ff

f

 

 

 

 

R

f

f

 

 

f

Rf

 

 

 

R

f

R

 

 

f

 

ff

Sie ergibt zu 50 % gemischterbige Rappen und zu 50 % Füchse.

 

Soweit zu der Vererbung der beiden Grundfarben des Pferdes Schwarz = Rappe und Rot = Fuchs.

Außer diesen zwei Grundfarben gibt es zahlreiche so genannte Veränderungs- faktoren, z.B.

  • den Braunfaktor,
  • den Schimmelfaktor,
  • den Roanfaktor,
  • den Verdünnungsfaktor,
  • den Scheckfaktor und andere mehr.

Diese haben unterschiedliche äußerliche Auswirkungen auf oben genannte Grundfarben. Um den Rahmen hier nicht zu sprengen, sei hier nur auf die beiden erstgenannten Veränderungsfaktoren eingegangen. Wer noch tiefer in die Materie der Farbvererbungslehre bei Pferden einsteigen möchte, dem sei die Lektüre von überall im Handel erhältlichen Fachbüchern empfohlen.

Der Braunfaktor:

Der Braunfaktor wirkt sich sichtbar nur bei Rappen (sowohl bei reinerbigen als auch bei gemischterbigen) dahingehend aus, dass das schwarze Pigment des Felles, abgesehen vom Langhaar (Mähne und Schweif) und den Bein-Enden (Fesseln und Röhrbein einschließlich der Fußwurzeln), zurückgedrängt und in einen mehr oder minder hellen Braunton verändert wird. Der Braunfaktor ist also gegenüber dem schwarzen Kurzhaar des Pferdes (Ausnahme Bein-Enden, siehe oben) dominant. Deshalb kann ein äußerlich schwarzes Pferd (Rappe) niemals einen Braunfaktor tragen. Paart man somit zwei Rappen miteinander, kann aus einer solchen Bedeckung niemals ein braunes Fohlen fallen (wohl aber – im Durchschnitt zu 25 % - ein Fuchs, wenn beide Rappen gemischterbig sind, siehe oben unter „D).

Paart man einen Fuchs, der einen Braunfaktor trägt, mit einem reinerbigen Rappen, dann fallen im Durchschnitt 50 % Braune, wenn der Fuchs hinsichtlich des Braunfaktors gemischterbig ist. Ist der Fuchs hinsichtlich des Braunfaktors reinerbig, dann können aus dieser Anpaarung keine Rappen geboren werden. Alle Nachkommen einer solchen Kombination werden Braune.

Der Schimmelfaktor:

Für den Züchter ist der Schimmelfaktor weitaus kalkulierbarer als z.B. der oben genannte Braunfaktor. Die Erbanlage für Schimmel überdeckt alle anderen Farbfaktoren, d.h. ein Pferd oder ein Pony, welches diesen Faktor genetisch in sich trägt, wird mit zunehmendem Alter zwangsläufig weiß, egal ob er für diesen Veränderungsfaktor reinerbig oder gemischterbig ist.

Ist ein Schimmel diesbezüglich reinerbig veranlagt, dann werden alle seine Kinder – ausnahmslos – auch Schimmel. Wird ein gemischterbiger Schimmel mit einem Rappen, einem Braunen, einem Fuchs, einem Palomino usw. angepaart, so fallen nur zu 50 % Schimmel. Die anderen 50 % bleiben das, was sie farbgenetisch sind (sh. oben Buchstaben A – E).

Und weil der Schimmelfaktor so „radikal-dominant“ ist, kann aus der Anpaarung zweier Nichtschimmel niemals ein Schimmel fallen, ganz gleich in welchen Generationen und wie oft Schimmel vorgekommen sind! Deshalb ist die weit verbreitete Sorge, dass die Schimmelfarbe eine oder mehrere Generationen überspringt und plötzlich wieder „auftaucht“, absolut unbegründet.

Abschließend möchte ich mich dahingehend outen, dass es für mich, zumindest bei den Welsh As und – Bs nichts Fazinierenderes als „die weiße Pracht“ auf der eigenen Wiese gibt. Und so haben wir immer mal wieder zwei Schimmel miteinander in der Hoffnung angepaart, dass daraus ein Schimmelfohlen fallen möge. So wählten wir z.B. 2003 den Schimmelhengst Shamrock Mr Oliver für unsere Schimmelstute Hondsrug Briall aus. Von Beiden wussten wir aufgrund früherer Nachkommen, dass sie hinsichtlich des Schimmelfaktors gemischterbig sind. Der 2004 geborene Sohn Equus Mr Spock ist und bleibt trotz der beiden Schimmeleltern Fuchs, und würde man ihn später mit einer Nichtschimmel-Stute anpaaren, dann können daraus niemals Schimmel fallen, so oft man diese Rezeptur auch versuchen würde.

 

 

 

 

 

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